Im Sommer 1980 durfte ich einen "Schnee- und Eiskurs" beim DAV (Deutscher Alpenverein) mitmachen. Das war klasse und ich habe viel dazu gelernt. Leider wurde die Ausbildung von einem fürchterlichen Unfall überschattet, der sich auf dem "Brandenburger Haus" im Ötztal ereignete und bei dem einer der Ausbilder zu Tode kam. Dieser Unfall war die erste direkte Begegnung mit der bei allen Sicherheitsmaßnahmen trotzdem immer vorhandenen "Unberechenbarkeit" von Abenteuern. Er hat mich nicht so sehr erschreckt, vielmehr wachgerüttelt: bei aller Freude, die ich immer in den Bergen empfinde (naja, außer vielleicht im rechten Sauwetter), hatte ich erlebt, dass nur gute Vorbereitung, höchste Konzentration und große Weitsicht das Risiko minimieren.

Es folgten Jahre der Abstinenz vom Berg. Andere Dinge wurden wichtiger und das Leben wollte anderweitig gelebt werden. Die Wiederbelebung der Bergliebe begann 1991. Gemeinsam mit meinem Vater buchten wir für eine schöne Rundtour im Ötztal einen Bergführer. Wir hatten so viel Glück mit dem Wetter, dass wir alles, was wir uns vorgenommen hatten, genauso auch ausführen konnten! Da wir einen Bergführer hatten, konnten wir auch Touren machen, die wir uns alleine niemals zugetraut hätten. Ein Bergführer kennt sich eben richtig aus und kann die Fähigkeiten seiner Kunden, sowie die Möglichkeiten und Risiken viel besser einschätzen - erst recht in seinem Heimatgebiet. Wir beschlossen so eine Rundtour mit Bergführer im nächsten Jahr wieder zu machen.

Von Jahr zu Jahr wurden die Berge höher, neue Gebiete "erschlossen" und Gipfel bestiegen. 1997 sollte der erste 4000er glücken. Die Wahl fiel auf den Piz Bernina in der gleichnamigen Schweizer Berggruppe und mit dem Weg über den berühmten Biancograt - eine Traumtour, wenn sie gelingt. Obwohl die Bernina Gruppe geografisch noch zu den Ostalpen gehört, eröffnete sich uns dort zum ersten Mal das "Westalpen-Feeling". Nach gelungener Besteigung war klar: Das war unser erster, aber nicht unser letzter 4000er:

In den folgenden Jahren kamen viele schöne Gipfel hinzu - Mont Blanc, Matterhorn, Mönch und Jungfrau zählten zu den bekannteren. Fast alle bestiegen mein Vater und ich gemeinsam, meist mit Bergführer, seit dem Jahr 2000 immer mit Stefan Gstrein aus Obergurgl im Ötztal
( www.alpenhaeusel.com).

Auch meine Mutter war in früheren Jahren auf Touren dabei, nur die Gletscher mit ihren Spalten waren ihr immer unsympathisch. Im Januar 2005 sind wir dann ein (wahrscheinlich) letztes Mal gemeinsam auf Tour gewesen - am Kilimanjaro (5895m) in Tansania, dem höchsten Berg Afrikas. Es war ein unglaublich schönes Erlebnis. Trotz der dazu gehörigen Mühsal und "Entbehrungen" haben wir die "Familientour" rund 35Jahre nach den ersten Anfängen sehr genossen.

zurück