Michael, der (kleine) Bergsteiger - meine ganz persönliche Bergsteiger-Geschichte

Angefangen hat alles als kleiner Junge ...

Wie in den 70er Jahren vielfach üblich sind wir (Vater, Mutter, Sohn) in den Sommerferien nach Österreich (Pinzgau, Salzburger Land) auf einen Bauernhof gefahren. Für mich als Berliner Stadtkind gab es als "Bauernkind" jede Menge zu entdecken und "Abenteuer" zu bestehen. Eines davon spielte sich nach einer Schlechtwetterphase ab. Die Schafe unserer Wirtsleute waren nach einem Unwetter nicht mehr im üblichen Almgebiet zu finden. Also wurde eine Wahrsagerin nach dem genauen Aufenthaltsort der Schafe befragt und wir (Bauer Franz, sein 4. Sohn Hansi - er ist genauso alt wie ich - und Michael aus Berlin) machten uns mit Stock, Rucksack und Hut auf den Weg zur Alm - im Rucksack Proviant für den Almsenner, der auf solche Versorgungsdienste zwar nicht angewiesen war, sich aber trotzdem sehr gefreut hat. Ich hatte natürlich keine Stiefel und bekam die vom viel größeren Luis - 3 Paar Socken übereinander und dann wird's schon irgendwie gehen. Nach zünftiger Brotzeit ging's los in das Zielgebiet - auf mit Felsen durchsetzte, steile, unwegsame Grashänge ohne Weg und Markierungen, nur wilde Landschaft. Schließlich mussten wir durch eine Rinne klettern und ein echter Hanfstrick, der um die Hüfte gebunden wurde, kam zum Einsatz. Technisch gesehen war die Sicherung zwar eher wertlos, aber ich fühlte mich wie Luis Trenker in den steilsten Wänden. Sogar Edelweiß haben wir gepflückt und wo das wächst, kommt keiner so leicht hin.

Wir fanden nach stundenlanger Suche und aufregenden Klettereien die Schafe und brachten sie über einen sicheren Weg zurück zur Alm. Meine Leidenschaft war entfacht ...

... und so nahm alles seinen Lauf. Immer öfter wurden ausgedehnte Bergwanderungen mit Gipfeln gekrönt und schließlich fiel das erste Mal die 3000er Marke. Ich war höchstens 9 oder 10 Jahre alt, als wir uns ins Habachtal aufmachten. An dessen Ende kehrten wir auf der damals noch wirklich "Neuen Thüringer Hütte" ein, um von da aus den Lahmkogel (3022m) zu besteigen und auf der anderen Seite über die Fürther Hütte in das Hollersbachtal abzusteigen. Normalerweise ist das eine Zwei-Tagestour, aber Einheimische haben selten genug Zeit, und Geld für Hüttenübernachtungen schon gar nicht, also musste sie in einem Tag passieren. War ich platt am Ende des Tages - schließlich lagen 2100 Höhenmeter und rund 35 km hinter mir!

Die Gipfelziele wurden immer höher und spannender. Aus dem Queren von Schneefeldern wurden kleine Gletscherwanderungen, ich bekam meinen ersten Brustgurt und lernte den ersten Knoten zum Einbinden in den Gurt - den Sackstich, der schon lange keine Verwendung mehr findet. Mein großer Traum war damals (1975) der "Großvenediger", der mich mit seinen 3674m, mächtigen Gletschern und einer imposanten Gipfelwächte sehr stark beeindruckte. Schließlich gelang bei mäßigem Wetter, wieder unter der Führung Einheimischer, der Aufstieg von der Kürsinger Hütte hinüber zur Prager Hütte. Daran waren wir schon mehrmals wegen schlechten Wetters gescheitert.

weiter gehts ...